Gut umgehen mit der Krise: Psychologische Tipps zur Corona-Situation

hoffnung in krisen bewahren

Die Corona-Krise ist psychisch fordernd. Viele von uns erleben gerade ein Wechselbad der Gefühle und sind vor allem eins: ziemlich verunsichert. Psychologin Christa Schirl hat darüber gesprochen, wie wir mit dieser Krise umgehen und positiv in die Zukunft blicken können:

Die Corona-Krise psychisch gut bewältigen

Wir befinden uns in einer Wandlungsphase und können davon ausgehen, dass nichts mehr so sein wird, wie es davor war. So ähnlich wie eine Raupe, die kurz vor der Verpuppung steht, gehts uns jetzt auch. Die Raupe weiß nicht, dass sie ein Schmetterling wird. Sie weiß nur, sie muss jetzt an die Wand oder den Baum klettern und sich einspinnen. Diese Raupe hat eine riesige Leistung vor sich, die Psychologen „Anpassungsleistung“ nennen. Das heißt, das Alte gilt nicht mehr, aber das Neue kann man noch nicht voraussehen.

In Krisen sind alle Gefühle erlaubt

Diese Wandlungsphase jetzt ist viel intensiver als etwas, auf das wir uns vorbereiten konnten. Niemand hat vor einigen Monaten vorhergesehen, dass es so kommen wird. Wir sind nicht darauf vorbereitet, darum verlangt uns diese Situation so viel ab. Dazu kommen jetzt auch sehr viele Gefühle ins Spiel. Es gibt diejenigen, die das Coronavirus immer noch nicht so richtig ernst nehmen, es gibt diejenigen, die wirklich Angst haben, sich Sorgen machen und verunsichert sind. Es gibt aber auch viele, die der Krise ganz tapfer und mit viel Humor begegnen.

Wichtig ist, dass in dieser Phase alle diese Gefühle erlaubt sind, auch Überforderung. Wem das alles zu viel wird, wer davon Kopfschmerzen oder Bauchweh bekommt, darf sich auch einfach mal zurückziehen, sich mit einer Wärmflasche ins Bett legen und auf sich achtgeben. Man muss nicht die ganze Zeit über stark bleiben, sondern darf sich auch eine Phase der Schwäche erlauben.

Ängste sind gut, Panik nicht

Ängste sind jetzt sehr sinnvoll. Reinhold Messner sagt zum Beispiel: „Wenn ich nicht Angst gehabt hätte, hätte ich den Berg nicht überlebt.“ Angst war für ihn immer ein guter Ratgeber, der beschützt, bewahrt und rechtzeitig gesagt hat, wenn er umkehren sollte. Angst ist auch für uns jetzt gut, solange sie nicht zur Corona-Phobie wird. Eine Panik wäre zu viel. Wenn es das wird, gibt es sehr gute Angebote von der Telefonseelsorge über die Gebietskrankenkassen, die Psychotherapien jetzt auch mittels Telefon oder Video anbieten.

Nachrichten dosiert konsumieren

Nachrichten sind momentan natürlich sehr wichtig, aber nicht acht Stunden täglich, sondern gezielt. Wichtig ist, sich zu überlegen: Wann ist die richtige Zeit für mich, um Nachrichten zu hören?  Kurz vorm Zubettgehen die aktuellen Fallzahlen zu studieren ist sicher nicht optimal und hindert am Einschlafen.

Die Hoffnung nähren

Ebenfalls wichtig ist es jetzt, die Hoffnung zu nähren. Um wieder zum Bild der Raupe zurückzukehren: Da wissen wir, dass die Sache gut ausgeht, dass sie ein schöner Schmetterling wird. Vereinzelt können auch wir schon solche Schmetterlinge in dieser Krise sehen. Die Solidarität im Land nimmt zu. Die Politik zieht an einem Strang und spaltende Kräfte kommen gerade nicht gut an. Das ist etwas, das Hoffnung gibt.

Die Zeit nach Corona

Ein Gedankenexperiment, das uns jetzt helfen kann, ist an Weihnachten zu denken. Weihnachten 2020 liegt zwar noch weit in der Ferne, aber wir können uns aus unserer jetzigen Perspektive fragen: Wie wird das werden? Wünschen wir uns dann immer noch den achten Pullover? Oder wissen wir gar nicht, was wir uns schenken sollen, weil wir ohnehin alles haben?

Vielleicht merken wir auch, dass es wieder zu mehr Tiefe kommt, weil vieles sich gewandelt hat. Das sieht man möglicherweise auch schon jetzt in der Qualität der Kontakte: Wir kümmern uns nicht mehr so sehr um die 400 Facebookfreunde, die wir gar nicht richtig kennen, sondern mehr um die echten Freundschaften, die sich jetzt bewähren. Durch diese Phase haben wir die Chance, in eine wärmere Zeit hineinzurutschen, und das gibt Hoffnung.